Herausforderungen


Herausforderungen, die hat man früher oder später mit jedem Auto in irgendeiner Form. Auch wenn der Fahrer das natürlich am liebsten nicht wahr haben möchte. Wenn es dann einmal so weit ist  und das eigene Gefährt, das persönliche Heiligtum, Zicken macht muss die Lösung  schnell kommen. Am liebsten nicht wegen einer Kleinigkeit auf der Strecke liegen bleiben. Am liebsten direkt herausfinden was den Fehler verursacht und an Ort und Stelle selbst beheben. Aber am liebsten auch keinen größeren Schaden durch Weiterfahren verursachen. Die Überlegungen sind mannigfaltig.

An einem Donnerstagmorgen macht sich um 07:30 eine schwarze M-Klasse mit 2-Liter Dieselmotor unter der Haube von Berlin auf in Richtung Süddeutschland. Um 09:23 tritt der Motor bei 160 km/h erschreckender Weise in den Streik. Keine Reaktion auf den Bleifuß der gegen das Gaspedal tritt. Keine Reaktion auf den leichten Druck am linken Schaltpedal. Aber man ist ja vom Fach und wäre kein Blogger wenn man nicht direkt bloggen würde. Während der Wagen über die nächstgelegene Ausfahrt ausrollend von der Autobahn manövriert wird, werden vom Beifahrersitz aus eifrig Videos aufgenommen um anschließend das Problem möglichst genau beschreiben zu können.

Nachdem bei besagter M-Klasse der Baureihe W166 bereits in der Vergangenheit ähnliche Probleme auftraten, um genau zu sein, Turbolader-Versagen Ende 2014 und ein fehlerproduzierender Wandler Anfang 2015, welche sich nur mit zahlreichen Werkstattbesuchen beheben lassen wollten (das Identifizieren der Fehlerursache war hier wohl ausschlaggebend) sollte in diesem Fall die Lösungsfindung schneller erfolgen.

Während also der schwarze Kollos langsam zum Halten kommt bestätigt Facebook erfolgreich ein Video hochgeladen zu haben. Während die ersten Hinweise bezüglich des soeben geposteten Videos von Autobloggerkollegen kommen, bekommt der ML250 BlueTec eine 5-Minuten Pause um einmal durchatmen zu können. Motor aus, Schlüssel gezogen, Schlüssel wieder rein, 240° gedreht und Voila! der Kahn rollt wieder weiter. Da bis jetzt noch keine Fehlermeldung aufgepoppt ist und auch die Motorkontrollleuchte sich nicht zu bemerken machen will kann man ja durchaus hoffen, dass es erst einmal weitergehen kann. Und tatsächlich ein ganzes Stück weit klappt alles ganz gut. Aber als dann erneut kein Gas angenommen wird verfliegt die neugewonnene Zuversicht schnell wieder. Mittlerweile steht fest: irgendwie will der Wagen gerade lieber im Notlaufmodus. Warum er das will? Nun das verrät er erst einmal nicht.

Inmitten all des Rätselratens klingelt auf einmal das Telefon. Im SUV-Bereich von Daimler hat man ein Video gesehen und möchte nun assistieren das Problem zu finden und zu lösen. Unglaublich, Blogger muss man sein. Während man bei Problemen mit verschiedensten Serviceanbietern normalerweise auf Social Media Teams stößt die im besten Fall den Link zum Online-Kontaktformular schicken können, telefoniert man hier dem kleinen Autoblogger hinterher um das Problem in Erfahrung bringen zu können. Also wird das Problem geschildert, es werden die vergangenen Probleme beschrieben. Man kommt zu dem Schluss, dass ohne Werkstattzwischenstopp erst einmal kein Fehler bestimmt werden kann. Also bedanke ich mich für die schnelle Rückmeldung und verspreche mich zu melden sobald die Werkstatt das Problem identifizieren kann. Ein Blick auf das Navi verrät, dass wir es zum Glück nicht mehr weit haben. Nach sage und schreibe 607 km bei einem Schnitt von immerhin 112km/h rollen wir dann am Zielort vor. Das Fahrzeug meldet nach wie vor “Keine Meldungen vorhanden”. Jetzt ab zum Termin, dann kurz Mittagspäuschen und dann schleunigst zur Werkstatt.



Erstmals nach nun etwas mehr als einer Stunde Pause meldet sich die M-Klasse mittels Motorkontrollleuchte. Zwanzig Minuten später stehen wir dann bei Mercedes-Benz auf dem Hof. Da nicht viel los ist geht es zum Glück recht schnell zur Sache. Ein prüfender Blick aufs Fahrzeug und eine genaue Beschreibung der Probleme später erklärt man, dass das “eventuell, irgendwie, also Abgasventil wäre nicht auszuschließen”. Da es warm ist und der Weg nach Berlin nicht kurz ist geht es direkt weiter zum Mercedes-Benz Rent. Unerfreulicher Weise sind Fahrzeuge in der Größenordnung W166 nicht verfügbar. Das kofferraumtechnisch größte ist ein C-Klasse Kombi. “Das muss es jetzt tun.” denken wir uns während wir unser mitgebrachtes Gepäck in das T-Modell quetschen. Fünf Minuten später rollen wir bei Mercedes vom Hof. Weitere fünf Minuten später hat unser Navi die Route geladen – die schönen AMG Fußmatten können diese Performance auch nicht verbessern.



Die nächsten zwei Stunden schleichen wir über die A5 und bewundern die Ameisen die im Eiltempo an uns vorbei krabbeln. Unser Navi informiert uns “stockenden Verkehr zu vermeiden um nicht im Stau stehen zu müssen”. Würzburg wäre also doch die bessere Wahl gewesen… Langsam aber sicher gerät der zähe Verkehr wieder in Bewegung. Da man uns nicht sagen konnte ob der S205 auf Sommer- oder Winterreifen rollt bemühen wir sicherheitshalber noch einmal Google bevor wir das Wintertempolimit aus dem Computer löschen. Irgendwo in Frankreich wird gerade angepfiffen und so hat es doch noch etwas Gutes, dass ganz Deutschland gerade gebannt auf den Fernseher starrt: die Autobahn ist leer wie eine Geisterstadt. Mit 250km/h fliegen wir im C220d über die Autobahn in Richtung Berlin um endlich die Zeit aufzuholen die wir über den Tag verloren haben. Fünf Minuten vor der eigenen Haustür identifizieren wir nun die dritte Schwachstelle an der C-Klasse neben dem zu kleinen Kofferraum und dem überforderten Navi: der doch recht schmale Tank braucht jetzt auch ein wenig Zuwenden. Man kann es ihm nicht verübeln. Nachdem wir kurz an der Zapfsäule Öl bunkern haben wir es nun endlich geschafft. Endlich daheim!



Fazit:

Wie immer wenn man ohne böse Absichten auf so einer Tagesfahrt unterwegs ist, geht gefühlt alles schief was so schief gehen kann. Komplikationen entstehen wohl oder übel. Einen kühlen Kopf bewahren und eine geeignete Lösung zu finden ist entscheidend. Neben dem großen Abenteuer das man mit jedem Fahrzeug bestreiten kann gibt es auch die Tage an denen man ernüchternder Weise feststellt wie aufgeschmissen man ist wenn die Technik mal nicht so recht mitspielt. Nachdem es in der Vergangenheit schon diverse Probleme bei der M-Klasse auf ihren knapp 150.000 Kilometern gab entschied ich mich diesmal bewusst dafür die Probleme penibel zu dokumentieren und nach außen zu tragen. Erzählungen im Nachhinein stoßen meist auf ungläubige Ohren. Manche Situationen sind auch einfach nicht für jedermann direkt greifbar. Der eine träumt davon C-Klasse T-Modell zu fahren ein anderer flucht innerlich weil trotz umgeklappter Rückbank nicht genug Platz im Auto ist. Es sind die kleinen Dinge die einen zurück auf den Boden der Tatsachen holen. Dieses Spektakel ist nun bereits über eine Woche her, das Fahrzeug schon wieder abgeholt dennoch wissen wir noch immer nicht was unsere Probleme verursacht hat. Ich bedanke ich mich noch einmal für die gut gemeinten Hinweise auf Facebook und für die Rückmeldung durch die Kommunikation bei Daimler. Sollten wir mehr erfahren kommt nochmal ein Update, versprochen! Im Moment fährt er erst einmal wieder der ML. Jusqu’ici tout va bien…

Im Übrigen haben wir den Kombi ja doch noch für eine kleine Fotosession durch Berlin bewegt. Soll ja keiner denken, dass wir nicht doch unseren Spaß damit hatten. Bilder gibt es HIER zu sehen.


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Photos and text by Simon Laslo | @simonlaslo

Simon Laslo

Author Simon Laslo

I am a Berlin-based 20-year-old photographer and travel enthusiast. Let me show you the world through my viewfinder!

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Join the discussion 2 Comments

  • Thommes Jan-Antoine says:

    Ja kann ich verstehen, und deshalb schwöre ich und behalte so lange es geht den GL mit dem V8 Diesel Motor. All diese kleinen Motörchen mit den aufgeladenen Turbos stossen schnell an ihre Grenze. Hubraum ist durch nichts zu ersetzen. Wetten dass in einigen Jahren wieder grosse Motoren und beim Benzin wieder Sauger gefragt sind.